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Roßmann/Weiß: Mann und Weib Fuchs: Sittengeschichte Diverse Sittengeschichten bis 1914 Zeitschriften von 1900-1913 |
Die Beste, weil umfassendste Definition der Prostitution fanden wir bei dem Gelehrten Dr. med. et phil. Wilfried Hellpach, der sie wie folgt definierte: "(Bei den Prostituierten handelt es sich) um Menschen, die geschlechtliche Genüsse gegen Gewährung von Unterhaltsmitteln und wesentlich nach Maßgabe dieser Gewährung an andere feilbieten“. Der wesentliche Umstand ist hierbei das Feilbieten, weil eine Unterscheidung getroffen wird zwischen der Liebe, die aus freien Stücken gegeben wird und jener, die allein aus Gründen des Gelderwerbs gegeben wird. Auch die folgende Definition von Severus erfüllt voll und ganz unsere Absicht, die Prostitution vollständig und umfassend zu beschreiben, wenngleich sie die männliche Prostitution ausnimmt: „Prostitution ist die Selbstpreisgebung weiblicher Personen, die daraus ihren Lebensunterhalt ganz oder vorwiegend beziehen, an eine unbestimmte Anzahl von Männern zu geschlechtlichen Zwecken“. Es wäre allerdings zu bemerken, daß Severus dabei nicht jene Personen einschließt, die sich nur wenigen Männern zum Zwecke des Gelderwerbs hingeben, wie dies die Mätressen oder Kokotten tun. Die Prostitution teilt sich gewöhnlich in eine öffentliche und eine geheime, wobei die geheime wohl öffentlich auftritt, aber nicht der Kontrolle der Behörden unterworfen ist. Zuförderst zu erwähnen wäre die kasernierte Prostitution, welche in geschlossenen Häusern untergebracht sind, die auch „Bordelle“ genannt werden. Sodann wären die frei wohnenden, aber behördlich beaufsichtigten Prostituierten zu erwähnen, und schließlich die Straßenmädchen, welche ihrer Tätigkeit im Freien nachgehen. Im Deutschen Reich scheint besonders Berlin als Sündenpfuhl hervorzustechen. Wir mussten hier zur Kenntnis nehmen, daß es viele Bier- und Weinlokale gibt, in denen Mädchen als „Kellnerinnen“ angestellt sind, deren eigentliche Aufgabe es ist, durch unzüchtiges Benehmen und „Liebenswürdigkeit“ Gäste zu Orgien anzuleiten, um ein sogenanntes „Trinkgeld“ zu erhalten. Über die historischen Ursachen der Prostitution wird gegenwärtig viel kontrovers debattiert, doch wollen wir dies in einem anderen Kapitel abhandeln, weil die Prostitution von vielerlei Gestalt ist und auch vor den Schranken der Bürgerhäuser nicht haltgemacht hat. Indessen hat das stärkere Aufkommen der Frauenerwerbsarbeit wie auch der neue Kapitalismus viele neue Fragen aufgeworfen, die wegen der Grundsätzlichkeit in einem neuen Kapitel «die Prostituition Im Kapitalismus" behandelt werden. | Prostituierte, in einem spanischen Bordell |