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Krafft-Ebing: Psychopathia Sexualis
Roßmann/Weiß: Mann und Weib Fuchs: Sittengeschichte Diverse Sittengeschichten bis 1914 Zeitschriften von 1900-1913 |
Der Kapitalismus stellt die Aussicht auf Gewinn über alle anderen Regungen und hat als solcher einen schlechten Einfluß auf die Moral. Gilt dies schon für die Kreise der Industriellen und Bankiers, so wirkt es auch beim gemeinen Volke nach, das mehr und mehr nach dem leicht verdienten Gelde strebt. Dabei ist es nun so, daß der Kapitalismus keinen Einfluß auf das offizielle Dirnenwesen nahm, sondern in erster Linie auf das geheime Dirnenwesen, die verschleierte Prostitution. Ein Zeitgenosse schreibt:
«Es gibt heute tatsächlich kaum einen Frauenberuf, bei dem nicht zahllose der darin beschäftigten Frauen und Mädchen in Liebe machen«. Die Gelegenheit dazu ergab sich zumeist aus der Beschäftigung der Mädchen, welche als Ladnerinnen und Kellnerinnen freizügig Zugang zur Kundschaft hatten. In zahlreichen Restaurans ist es inzwischen Sitte geworden, nur noch solche Kellnerinen zu engagieren, die den Stammgästen jede Art von Gefälligkeit erwiesen. Es wurden aber keine Beweise gefunden, daß sich die Mädchen aus der reinen Not als solche verdingten, vielmehr war es der höhere Lohn in solchen Häusern, der sie anlockte.
Die schlimmsten Formen der Liebesgefälligkeiten finden wir aber nicht dort, wo Geldnot herrscht, sondern dort, wo die bürgerlichen, verheirateten Frauen «Geschäfte machen», die in nichts anderem bestehen als ihren Körper für ein hohes Entgelt an einen bestellten Liebhaber zu verkaufen. Ein ähnlich unsittliches Treiben findet sich bereits bei gewissen Töchtern, die sich risikoreich als Demi Vierges prostituieren, indem sie gewisse Gefälligkeiten zulassen und auch ausführen, aber letztendlich den Koitus selbst verweigern.