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Benutzte Werke
Krafft-Ebing: Psychopathia Sexualis
Roßmann/Weiß: Mann und Weib Fuchs: Sittengeschichte Diverse Sittengeschichten bis 1914 Zeitschriften von 1900-1913 |

Wo man das Besondere sucht, gilt es zunächst das Normale festzustellen. Im Normalen finden wir denn auch zahlreiche Schilderungen von Quälereien, wie wir am Beispiel des Liebesbisses der italienischen und indischen Frauen. Der Liebesbiß führt uns hin zu den schwersten Formen der Schmerzgeilheit etwa zum Lustmord oder zum Kannibalismus.
Die Gewaltanwendung wird vom Weibe nicht ungerne gesehen und empfunden – nur darf der Schmerz nicht zu bedeutend sein. Es muß vielmehr die Aussicht bestehen, dass der Schmerz alsbald von der Lust abgelöst wird. So kann eine gewisse Gewaltanwendung, welche dem Manne bereits schmervoll ist, den Frauen noch genußreich sein.
Die aktive Schmerzgeilheit wird seit einiger Zeit Sadismus genannt, nach dem Zeugnis des Marquis de Sade, der in seinen Werken anschaulich schilderte, wie Menschen geschlechtliche Genüsse empfanden, wenn die Opfer nur genügend gequält wurden. Die aktive Schmerzgeilheit wird als seltener angesehen als die passive. Sie entspringt dem Wunsch des Mannes, sich das Weib zu unterwerfen, wobei er dies oft in einem trunkenen Zustande höchster Erregung tut.
Die passive Schmerzgeilheit wird Masochismus nach dem Buch des Rittrs v. Sado-Masoch genannt, der sich wohl selbst als Sklave an seine Geliebte hingab, deren Grausamkeiten ihm geschlechtlichen Genuss bereiteten. Dem Würgen, Hängen, Fesseln und Schwingen kommt stets eine gewisse erregende Eigenschaft zu und schon die Vorstellung des Erduldens solcher Prozeduren kann schon die geschlechtliche Erregung hervorrufen. Auch das Peitschen, wie es und die geißelnden Sektenangehörigen zeigen, befördert die Schmerzgeilheit, weil sie die energischste und doch harmloseste Einwirkung auf einen anderen Menschen darstellt.
Sowohl die passive wie auch die aktive Schmerzgeilheit ist eingeboren. Indessen kommt sie nicht bei allen Individuen in gleicher Weise zum Ausbruch. Es muss vielmehr eine Konstellation hinzukommen, bei der eine Verknüpfung der sinnlichen Elemente und der schmerzlichen im Gehirne von statten geht.
Das Thema das Sadismus und Masochismus findet unter dem Volke immer große Beachtung, so daß wir uns entschlossen haben, ihm in Unterkapiteln einen breiteren Raum zu geben.
Fußnote: Die Wörter Masochismus und Sadismus wurden in der medizinischen Forschung erstmals von Freih. Richard von Krafft-Ebing genutzt.