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Krafft-Ebing: Psychopathia Sexualis
Roßmann/Weiß: Mann und Weib Fuchs: Sittengeschichte Diverse Sittengeschichten bis 1914 Zeitschriften von 1900-1913 |

Die Prostitution hielt an dem Tage Einzug in die Welt, als sich das erste Weib als Ware verkaufte. Denn Weiber verkaufen sich wohl, denn sie wissen zu wägen und zu rechnen, und am Ende schachern sie um die Gunstgewährung, allein, um etwas zu erhalten, was ihr als Wert erscheint. Das Weib handelt hier ohne Verlangen und ohne Reiz, doch will es erreichen, vom Mann etwas zu bekommen, wofür sie keine Tauschware schuldet. Dies ist der eigentliche Ursprung der Prostitution, den wir als „wilde Prostitution“ definieren. Bis in die heutige Zeit finden wir diesen Charakterzug des Weibes in allen Ständen. Ein zweiter Ursprung der der Prostitution ist das Schenken des Weibes an den Gast, der in alten Zeiten beschwerliche Reisen auf sich nahm. Das Weib wurde ihm angeboten, um bei ihm zu liegen, und er konnte es benutzen wie der Gatte auch. Empfing die Mutter vom Reisenden ein Kind, so was dies kein Schaden, wurde doch auf diese Weise der Genius der Reisenden weit in das Volk ausgestreut. Die Gattin durfte auch ein Geschenk erwarten, denn viele der Reisenden waren Händler, die wertvolle Waren mit sich führten. Der dritte Ursprung schließlich und der Schlüssel zur Prostitution der Neuzeit ist die heilige Prostitution, bei welcher sowohl Jungfrauen als auch verheiratete Frauen sich dem Gotte als Opfergabe hingeben mussten, der durch den Priester verkörpert wurde. Von da an wurde die Prostitution ein Teil des Kultes, der von Göttinnen und Göttern befeuert wurde. Es nimmt nicht wunder, daß all diese Arten der Prostitution sich durch die Menschheitsgeschichte durchziehen wie ein roter Faden. So wird die wilde Prostitution von Frauen und Mädchen der besseren Stände vielfach schamlos praktiziert. Die gastliche Prostitution ging über Badehäuser? und in die Schankwirtschaften mit Damenbedienung über und die von den Priestern kontrollierte Prostitution wurde zur heutigen P., die vom Staate geduldet und überwacht wird. Man sagt, das Christentum habe die Prostitution besiegt. Jesus Christus hat nach den Evangelien wohl zu den Prostituierten gepredigt und ihnen das Himmelreich versprochen, doch lehrte er zugleich Keuschheit und Enthaltsamkeit, die zu Tugenden von Jedem wurden. Doch auch zu Zeiten des Christentums, namentlich im Mittelalter, finden wir eine unsägliche Sittenlosigkeit vor, namentlich in den Badehäusern, in welchen die Bademägde nicht selten auch geschlechtliche Handlungen an den Badenden vollzogen. Man sagt, daß einzelne Badehäuser mehr Betten als Bottiche bereithielten. Erst in der Blüte des Bürgertums, die auch heute noch nachwirkt, wurde die Sittlichkeit zum obersten Gebot des Menschen erhoben. Allerdings müssen wir nachtragen, daß sich wohl auch dort Tendenzen eines beginnenden Zerfalls zeigen, die zu großer Sorge Anlaß geben. So wird berichtet, dass sich Frauen der besseren Stände im Geheimen erbieten, allerlei geschlechtliche Dinge mit Fremden zu betreiben, die zuvor bei Kupplerinnen bestellt werden, wofür stets eine erhebliche Summe Geldes im Spiele ist, die zuvor vereinbart wurde. Von den Töchtern der Damen der Gesellschaft wird gar behauptet, sie würden sich im Zustande ihrer Jungfernschaft als „Demi-Vierge“ an Männer verdingen, die sie gegen die Übergabe von Geschenken berühren dürften, ohne dass ein Koitus stattfände.
Obgleich dies vorgekommen sein mag, scheint es uns vernachlässigbar zu sein, denn die Gesellschaftsordnung im Deutschen Reiche befindet sich im Kern in einem sittlich stabilen Zustand, was vor allem auf die Sittsamkeit der Bürgerfrauen zurückzuführen ist. |
Eine Prostituierte in Südamerica, sich anbietend |