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Krafft-Ebing: Psychopathia Sexualis
Roßmann/Weiß: Mann und Weib Fuchs: Sittengeschichte Diverse Sittengeschichten bis 1914 Zeitschriften von 1900-1913 |

Wir dürfen nach heutiger Forschung annehmen, daß das Weib zunächst Gemeingut der Männer war, eine temporäre Beute jener, die stark waren und Macht hatten. Das Weib war also eine Ware, ein Gegenstand, den man gebrauchen und auch schenken konnte.
Der Besitz des Weibes als Gegenstand findet sich in vielen Quellen, so auch im Alten Testament, wo es nach unserer neuen Lutherbibel heißt:
„Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechtes noch seiner Magd, noch seines Ochsen noch seines Esels, noch alles, was dein Nächster hat.“
Im Laufe der Geschichte, namentlich auch durch die Ausbreitung des Christentums, hörte das Weib auf, eine bewegliche Sache zu sein und wurde dadurch zur Person. Es hat sich nunmehr die Anschauung entwickelt, dass dem Weib ein Verfügungsrecht über seinen Körper und über seine Liebesgunst zustehen. Auch das Sesshaftwerden der Menschheit trug dazu einen gehörigen Teil dazu bei, das Weib auf eine höhere Stufe zu stellen, weil sich aus dieser für den Mann ein Bedürfnis ergibt, eine Hausfrau und Lebensgefährtin zu besitzen.
Seither ward das Weib zu einem Gegenstand der Begehrlichkeit und wird deshalb vom Manne umworben. Die Einzelwesen wenden sich nun einander zu, was durch geistige und körperliche Vorzüge bewerkstelligt wird.
Wir müssen an dieser Stelle sagen, daß ein solches Zusammenkommen der Geschlechter nur auf der Stufe hoher Versittlichung zu erreichen ist. Überall, wo wir diese hohe kulturelle Entwicklung finden, gelten Schamhaftigkeit, Keuschheit, Jungfräulichkeit und sexuelle Treue als hohe Tugenden. Dies müssen wir jenen entgegenhalten, die eine völlige Befreiung von der Schamhaftigkeit fordern, wie dies in manchen Kreisen diskutiert wird.