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Benutzte Werke
Krafft-Ebing: Psychopathia Sexualis
Roßmann/Weiß: Mann und Weib Fuchs: Sittengeschichte Diverse Sittengeschichten bis 1914 Zeitschriften von 1900-1913 |

Die meisten ernstlichen Wissenschaftler sind heute der Überzeugung, daß dem jungen Weibe keine geschlechtliche Begierde innewohnt. Diese wird vielmehr erst durch den Mann in der Ehe erweckt. Es mag aber sein, daß sich junge Frauen durch schlechte Leitbilder aus der Halbwelt gelegentlich fehlorientieren, weshalb empfohlen wird, die Töchter von solchen Kontakten fernzuhalten.
Dies gilt mitnichten nur für das junge Weib, sondern ganz generell ist das sinnliche Verlangen eines normal entwickelten und zu Sitte und Anstand erzogenen Weibes ein geringes. Man denke nur, wie sich die Welt entwickelt hätte, wenn dem nicht so wäre, denn da müsste die ganze Welt ein Hurehaus sein. Deshalb ist ein Weib, welches freudvoll dem Geschlechtsgenusse frönt oder ihm gar nachgeht, eine abnormale Erscheinung.
Dem unverheirateten Weibe verlangt die gesittete Gesellschaft unserer Tage die Keuschheit. Sie hat ferner ein sozial sittliches Interesse daran, das Weib möglichst zu verheiraten, so daß Irritationen hinsichtlich seiner sexuellen Stellung ausbleiben. Der sittliche Mann von Stand und Ehre verlangt daher vom Weibe, dass es keusch war und auch während der Verlobungszeit keusch ist.
Wir stellen also fest, dass das Weib nicht mit seinem Körper liebt, sondern mit seiner Seele, und daß unglückliche Liebe beim Weibe aus diesem Grunde tiefe Wunden schlägt.
In den letzten Jahren sind durch die Forschungen von Dr, Freud, die Beobachtungen von Dr. Weiß, sowie die Behandlungsmethoden der Gefühlskälte durch amerikanische Ärzte abweichende Meinungen über den Wunsch nach Keuschheit und Verlangen des Weibes entstanden, die wir in Kürze einer genaueren Betrachtung unterziehen wollen. Auch die bürgerliche Sittengeschichte von Ed. Fuchs zeigt ein anderes Bild, auf daß noch einzugehen wäre.
Ich habe mich entschlossen, die Argumente der anderen Forscher in diesem Beitrag über die Geschlechtslust des Weibes niederzulegen, den ich dem geneigten Leser anempfehle.